Novak Djokovic jagt in Wimbledon den ewigen Grand-Slam-Rekord. Für Schlagzeilen sorgt auch seine Jubel-Geste. Ist sie ein politisches Statement?
Er pumpt und pumpt: Novak Djokovic hat in London eine neue Feier-Geste etabliert. Nach dem gelungenen Wimbledon-Viertelfinale gegen den Italiener Flavio Cobolli bewegte er wieder die Arme nach oben und unten, als betätigte er eine Luftpumpe, lächelte seine Kinder im Publikum an, die es ihm gleichtaten.
Der pumpende Djokovic - was hat das zu bedeuten?
"Es ist etwas zwischen mir und meinen Kindern", erläuterte der Serbe während des Turniers in London. Die Geste erinnere an den Dance-Song "Pumpt it up" vom belgischen Künstler Danzel.
"Wir lieben es, zu pumpen. Wir pumpen nach jedem Sieg", sagte der 38-Jährige weiter.
Pump it up: Insider oder mehr?
Danzel postete inzwischen ein Video von Djokovic, in dem er den Tanz erklärt, und sagte, es sei eine "Ehre", die neue Geste inspiriert zu haben.
Oder steckt doch mehr dahinter als reiner Spaß und Insider mit den Kids? Das wird jedenfalls groß in Serbien diskutiert. In seiner Heimat werten viele das Pumpen als ferne Unterstützung für die anhaltenden Studentenproteste gegen den autoritär regierenden serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Die Menge ruft dort unter anderem "Pumpaj!", was in etwa bedeutet: "Erhöht den Druck!"
In regierungsnahen Boulevardmedien wurde der Tennis-Star sogar fürs Pumpen angegriffen. Die regierungskritische Zeitung "nova.rs" interpretierte, dass Djokovic mit seiner ausweichenden Antwort Rücksicht auf die britischen Gastgeber nehmen wolle. In Wimbledon sind politische Botschaften verboten.
Politische Aussagen sind Djokovic indes nicht fremd. Vor zwei Jahren erhielt er nach seiner Botschaft ("Kosovo ist das Herz Serbiens") sogar eine Warnung der französischen Sportministerin.
Wimbledon: Traum-Duell Djokovic gegen Sinner
Das hat er im All England Club nicht zu befürchten. Dort fliegen ihm vor dem Halbfinale gegen Jannik Sinner am Freitag die Herzen zu.
"Es könnte keine größere Herausforderung geben für mich, das ist sicher", sagte Djokovic. "Es wird das Beste von mir brauchen, um Jannik zu schlagen."
Sorgen machen noch die Folgen eines Sturzes im Spiel gegen Cobolli. Der 38-Jährige war ausgerutscht und fast im Spagat auf den Bauch gefallen.
"Mein Körper ist nicht mehr der gleiche, der er früher einmal war. Deshalb werde ich die wirkliche Wirkung erst morgen spüren. Ich hoffe, dass in den nächsten 24, 48 Stunden das Ausmaß dessen, was passiert ist, nicht zu schlimm ist und ich schmerzfrei auf der Höhe meines Könnens spielen kann." Er werde nun mit seinem Physiotherapeuten arbeiten, "und hoffentlich wird in zwei Tagen wieder alles gut sein".
Sein Traum lebt: Mit dem 25. Grand-Slam-Titel will er den Rekord von Margaret Court brechen. Dann kann weiter fleißig gepumpt werden.







